Posts mit dem Label Philosophie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Philosophie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Denkende Hände

Eric Neunteufel: Hände
Überlegungen zu einer graphischen Korrespondenz von Tom Waibel, in: Berkmann und Neunteufel, Hände. Eine druckgraphische Korrespondenz, Wien: Edition Kunstmarke 2014.

Es begab sich anlässlich eines Besuchs von Marcus Berkmann bei Eric Neunteufel in dessen Graphikwerkstatt in Wien, dass der lebhafte Strom des gemeinsamen Gesprächs in ein breites zwischenmenschliches Einverständnis mündete. Um die Macht des trotz allen Aufschubs am Ende nicht mehr zu vermeidenden Abschieds zu brechen, war man übereingekommen, die Energie des beiderseitigen Einvernehmens auf künstlerische Kanäle umzuleiten, um die Distanz zwischen Wien und München zu überbrücken. Ohne noch zu wissen, worin die künftige künstlerische Emphase sich manifestieren werde, waren sie einig geworden, ›was zu machen‹. Neunteufel begleitete seinen Gast bis auf den Gehsteig vor der Werkstatt und schließlich reichte man zum Abschied sich die Hand. Mit dieser Geste eroberte das Thema des vereinbarten Tuns unversehens den soeben errichteten Raum der Freundschaft: ›Lass uns was mit Händen machen‹. – Diesem Entschluss folgten Bilder von Händen, Handbewegungen und Gebärden, symbolische Handreichungen, die per Post versandt sich über ein Jahr lang allwöchentlich erneuerten. Eine graphische Korrespondenz, ein fortgesetztes Händeschütteln, eine beharrlich bekräftigte Verbindung von Mensch und Hand und Tätigkeit.

›Von der Hand in den Verstand‹, behauptet ein didaktisch-pädagogischer Merksatz, und wer je versucht hat, den genauen Ablauf manueller Tätigkeiten in Worte zu fasssen, weiß um die innige Zusammenarbeit der Hände mit dem dazugehörigen Gehirn. Noch ganz alltägliche Verrichtungen, Selbstverständlichkeiten wie beispielsweise Schuhe schnüren, Hände waschen oder Zähne putzen, stellen den sprachlichen Ausdruck vor erstaunliche Herausforderungen. Sicherlich lassen sich solche Handlungen begrifflich nachvollziehen, doch ihre Artikulation wird ein Vielfaches der Zeit benötigen, in der die Hände sie bewältigen. Es ist weder Zufall noch Dummheit, dass ein bedeutender Teil des Erlernbaren in stillschweigender Übereinkunft ›denkenden Händen‹ überantwortet wird. Dieser Sachverhalt kommt noch in der buchstäblichen Beziehung von Hand und Wort zum Ausdruck: Jeder Begriff entspringt sprachlich dem Begreifen, dem sinnlichen Erfassen eines Gegenstandes, und diese Herkunft wirkt so unmittelbar verständlich, dass wir davon sprechen, sie liege auf der Hand.

Je früher die Motorik der Hand trainiert werde, desto besser sei dies für die Ausdifferenzierung des Gehirns und die Funktionsfähigkeit der Hände, vermutet die Entwicklungspsychologie, denn Bewegungsmuster würden durchs Üben eingeprägt, blieben damit in Erinnerung und könnten später mit Leichtigkeit wieder abgerufen werden. Es wären demnach Handbewegungen, die im Gehirn jene Verbindungen anbahnten, die schließlich Relevanz für das reflektierte Handeln erlangten. Dennoch entzieht sich die komplexe Interaktion von Auge, Hand und Gehirn mitunter der begrifflichen Artikulation der einzelnen sinnlichen Funktionen eines bildnerischen Prozesses, und das macht es nicht ganz leicht, künstlerisches Handeln gründlich zu verstehen. Die Vorstellung von ›denkenden Händen‹ liegt mit dem etablierten Zusammenhang von Wahrnehmung und Erkenntnis in Konflikt. Die Aufklärung, zu der Immanuel Kant doch entscheidend beigetragen hat, fußte auf der Grundlage einer genauen Unterscheidung der verschiedenen Fähigkeiten von Sinn und Verstand. »Der Verstand vermag nichts anzuschauen und die Sinne nichts zu denken«, entschied der Königsberger Philosoph.1 In der vorindustriellen Zeit musste die Beziehung zwischen Kopf und Hand wohl noch festgefügt und ungebrochen erscheinen.

Erst die industrielle Entwicklung der Maschine, genauer aber die maschinische Indienstnahme des Menschen durch den Menschen, ließ im Verlust des Handwerks den Wert der manuellen Tätigkeit wieder auftauchen. Die fabriksmäßige Aufteilung der Bewegung in reduzierte und bruchstückhafte Handgriffe beschleunigte zwar die Produktion von Dingen ins Unermessliche, doch der geheime Motor dieser Beschleunigung wurde vom rasanten Schwund des sinnstiftenden Werts menschlicher Tätigkeit befeuert. Das war es, was die Maschinenstürmer die kolossalen Artefakte der Industrialisierung zerstören hieß – es ging ihnen nicht um eine Wiederherstellung feudaler Verhältnisse, sondern um die erneute Inwertsetzung des handwerklichen Tuns. Sie forderten eine praktische Umkehrung der neu entstandenen gesellschaftlichen Vorstellung von Arbeit, die Karl Marx so charakterisiert sah: »Die Tätigkeit des Arbeiters, auf eine bloße Abstraktion der Tätigkeit beschränkt, ist nach allen Seiten hin bestimmt und geregelt durch die Bewegung der Maschinerie, nicht umgekehrt.«2

Wird menschliche Tätigkeit in lauter einzelne Verrichtungen aufgesplittert und zerteilt, verkommt sie zur ›bloßen Abstraktion‹ und damit zwangsläufig zur monotonen Mühsal. Es ist wohl noch niemandem je eingefallen, einen ganzen Baum einer einzigen Frucht wegen zu fällen. Aber ganze Menschen zu verbrauchen um einer Verrichtung willen, die nur einen Bruchteil ihrer Leistungsfähigkeit und Gaben wert ist, dieser ungeheuerliche Raubbau wird tagtäglich hingenommen, als wäre er unumgänglich und notwendig. Was hier zur Frage steht, ist also nicht einfach der steigende und fallende Wert des Produkts menschlicher Tätigkeit, oder die wachsende und sinkende Bedeutung der Früchte der menschlichen Arbeit. Hier geht es vielmehr um die Frage, welcher Wert im menschlichen Tun selbst gefunden werden kann.

»Das Tun der denkenden Hand aber nennen wir die Tat«, hielt Oswald Spengler fest,3 und doch dachte er dabei weder an die Taten der Maschinenstürmer noch an die anarchistische ›Propaganda der Tat‹, sondern an die archaische Menschwerdung durch den Werkzeuggebrauch. Wo immer PaläontologInnen eine Schädeldecke, einen Kiefer oder Zahn freischürfen, werden sie sich einig, den Fund als Menschenspur zu werten, wenn ein Werkzeug, und sei es auch nur ein kunstvoll gesplitterter Stein, ihm beiliegt. Ihnen gilt das Werkzeug als Eintrittskarte in die Welt der Menschen, aber es finden sich durchaus auch Skeptiker einer solchen Sicht auf die Tat. Martin Heidegger etwa war überzeugt davon, dass das ›eigentliche‹ Handeln erst im Denken sich ereigne. Diese Vorstellung mutet allerdings ein wenig so an, als wär' in der Herstellung und Erprobung eines Werkzeugs – und sei es noch das rudimentärste, das darin bestanden haben mag, einen Fauststein mit einem Ast zu verbinden und damit dessen Fallgewicht durch die Hebelwirkung zu vervielfachen – keinerlei Handlung inbegriffen; Handeln wäre demnach erst da erfolgt, wo es jemandem einfallen mochte, für dieses neue Gebilde den Namen ›Hammer‹ auszudenken. Und doch, selbst noch diese sicherlich recht eigenwillige Verbindung von Wort und Tat ist ohne die Vermittlung der Hand nicht denkbar. Als zentrale vermittelnde Geste entdeckt Heidegger die Handreichung: »Die Hand reicht und empfängt und zwar nicht allein Dinge, sondern sie reicht sich und empfängt sich in der anderen.«4 Das Denken wiederhole demnach die grundlegende Struktur des reflexiven Gebens, die im Händeschütteln ihren sinnenfälligsten Ausdruck erlangt.

Auf der Suche nach dem Wert des menschlichen Tuns sind wir über die Vermittlung im freundschaftlichen Gruß erneut bei der Hand angelangt, die in fundamentaler Art und Weise auf die menschliche Fähigkeit verweist, Sinn zu stiften und Bedeutung zu geben. »Menschlich«, stellte André Leroi-Gourhan fest, sei »die menschliche Hand durch das, was sich von ihr löst, und nicht durch das, was sie ist.«5 Versuchen wir demnach genauer festzulegen, was sich durch Tätigkeit von den Händen ablöst und ziehen wir dazu den Schriftsteller und Buntschmied Georg Glaser zu Rate. Glaser hatte sein Leben dem Versuch gewidmet, der wertschöpfenden und sinnstiftenden Fähigkeit der menschlichen Hand auf die Spur zu kommen. »Von den Scherben steinzeitlichen Hausrats an«, hält er fest, »von den Höhlenbildern bis zu den Domen, haben die sich im Werkzeug wie in zugewonnenen Gliedmaßen fortsetzenden ›denkenden Hände‹ die Geschichte des Menschen in die Zeit eingetragen, wahrhaftiger als die in Schrift und Sage überkommenen, erhabener als die Narben, die das Schwert hinterlassen hat.«6 Die Gewalt habe die Tätigen verknechtet, die Sprache sie entmündigt und die Trennung von Kunst und Handwerk der Früchte ihrer Arbeit beraubt.

In der maschinisierten Welt ist es längst nostalgisch oder lästig geworden, das eigene Tun als selbständiges Vorhaben zu entwerfen. Die industrialisierten Maschinengesellschaften des 20. Jahrhunderts glichen riesenhaften Schmieden, Essen und Hochöfen, die von unzähligen Handlangern in der Hoffnung auf ›Fortschritt‹ in Betrieb gehalten wurden, dem Wunderglauben an die erlösende Macht der Maschinen ausgeliefert. An unserer prekären Gegenwart am Beginn des 21. Jahrhunderts erstaunt, dass das Zutrauen in die erhoffte Erlösung des Menschen durch die Maschine offenbar nur minimal erschüttert wurde, obwohl die einst glänzenden Zeichen des Fortschritts inzwischen von ihren giftigen Folgen, dem Raubbau an Ressourcen, der Vermüllung der Lebenswelt, der Verpestung von Erde, Wasser und Luft, oder der Privatisierung von Gemeingütern unübersehbar abgeschattet werden.

Der Glaube an die Allmacht der Maschinen droht davon überraschenderweise noch verstärkt und selbstverständlicher zu werden, immer mehr und immer kleinere Rechenmaschinen füllen überschwänglich unsere Hosen-, Jacken-, Mantel- oder Tragetaschen. Allgegenwärtige handtellergroße Computer haben dem einstigen Werkzeug seinen Rang abgelaufen und verlängern die Wirkung von Händen, Blick und Stimme ins virtuell Unendliche einer schönen und vernetzten Welt. Doch die Produktionsvorgänge dieser tragbaren Bewusstseinsmaschinen bleiben dem Blick schamhafter entzogen, als das Innere öffentlicher Bedürfnisanstalten. Die Arbeit, die ihre Herstellung erheischt, gleicht einem fortwährenden Schmerz, der zweifellos Krankheit und Verwundung anzeigt. Eine Gesellschaft, in der Menschen zu solcher Arbeit gezwungen sind, schwankt in ihrem Gepräge zwischen Heilanstalt und Gefängnishof. Die ZuchthäuslerInnen der Arbeit indes halten an einem ebenso alten wie finalen Versprechen der maschinellen Produktion fest: Der Aussicht, dass die Notwendigkeit der Arbeit in Zukunft überhaupt von Maschinen übernommen werde, und damit aus dem menschlichen Aufgabenbereich verschwinden würde, wie eine erfolgreich bekämpfte Seuche. »Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört«, hatte Karl Marx einst angekündigt.7

Wenn aber der Wert des menschlichen Tuns tatsächlich an die sinnstiftende Kraft denkender Hände geknüpft ist, dann lässt sich die Abwesenheit von Arbeit durchaus nicht mit Freiheit verwechseln. ›Arbeitslosigkeit macht frei‹ ist keine korrekte Antithese zur menschenverachtenden Losung von Vernichtungslagern. Wenn irgend Vernunft denkende Hände anleitet, dann lässt sich Freiheit nur im Rahmen des Tuns erreichen, samt »seiner Last und Sorge«, wie Glaser festhält, »im Reiche der Notwendigkeit.« Denn er gibt zu bedenken, »dass der Mut zu unternehmen, die Wissbegierde, dass alle Regungen des Geistes mehr oder minder angefacht und unterhalten werden durch die Notwendigkeit, und dass, da wir im Verlaufe von Jahrhunderttausenden Hirne und Hände erworben haben, fähig, jeder neuen Not zu begegnen und veränderter Zweckmäßigkeit zu genügen, dieses Wissen und Können aber, wie alle lebenserhaltenden Begabungen und Triebkräfte, zu Bedürfnissen geworden sind, die nach eigenem Ermessen und Vermögen befriedigen zu können, uns Freiheit bedeutet«.8

Die Erfahrung über das Tun erwirbt sich nur im Tun, und Handarbeit ist zeitaufwändiger als maschinelle Arbeit. Sie kommt teurer zu stehen und rechtfertigt sich nur, soweit sie Dinge schafft, die Maschinen nicht herstellen können. Für Georg Glaser steckt der Schlüssel zur erlösenden und erlösten Arbeit in der Herstellung von Dingen, die lebendige Bedürfnisse stillen und dabei einer Vielzahl unterschiedlicher individueller Maße genügen. »Unversehrtes, lebenserfüllendes Tun«, bekräftigt er, »ist Mühe, aber keine Pein. In ihm ist Geduld in die Zeit gelöste Schaffensfreude.«9 Der Wert, der im Tun selbst begründet liegt, wird dort zu finden sein, wo die Hände in der Lage sind, ihrem Werk sich hinzugeben und dabei sich doch auch zugleich zu empfangen. Eine solche Hingabe lässt sich in der Ruhe vermuten, mit dem Stoff und Werkzeug durch die Tätigkeit gleichsam überzeugt und überlistet werden, und ein mögliches Empfangen ließe sich wohl in der Genugtuung ob des vollendeten Werks entdecken, als »jenes sichere Wissen um Werte, die Schaffen gibt und empfängt und die sich nicht in Geld umrechnen lassen«.10

Die Tätigkeit denkender Hände erweitert Sicht und Können, die noch die Wahrnehmung des eigenen Leibes zu erweitern und verändern vermag. Maurice Merleau-Ponty erwähnt in diesem Zusammenhang das Beispiel der linken Hand, die die rechte berührt. Im Augenblick des Berührens erfolgt das Spüren der Hand im Innen und im Außen zugleich. Die Hände offenbaren sich darüber als der Welt zugehörig, da sie von außen sichtbar und berührbar sind, sie bleiben aber dennoch auch von innen spürbar und erfahrbar.11 Der Buntschmied Glaser dehnt diese tätige Erfahrung auf den gesamten Körpern aus: »Es lebt sich als ein Schaffen, Bilden mit dem ganzen Leib, und kindisch scheint es dann zuweilen, dem Geist einen bestimmten Sitz zuzuweisen, wie der Liebe das Herz.«12

»Am Anfang war das Wort«, wird im Evangelium nach Johannes behauptet,13 doch sehr viel später vermutet der Geheimrat Goethe darin einen anderen Sinn. Er lässt Faust in seinem Studierzimmer diese Passage nach einiger Überlegung neu übersetzen als: »Am Anfang war die Tat.«14 Können die hier angestellten Überlegungen zur denkenden Hand einen Beitrag zur Klärung dieser alten Frage nach der Vorherrschaft zwischen Sprechen und Handeln leisten? Wenn man dem russischen Linguisten Nikolai Marr Vertrauen schenkt, so baut noch die gesamte Entwicklung der menschlichen Sprache auf einer ebenso charakteristischen wie grundlegenden sozialen Tat auf, die – wie überhaupt jede Art von Handlung – in einem äußerst engen Bezug zu den Händen steht. Die gesprochene Sprache wäre dem Mitglied der russischen Akademie der Wissenschaften zufolge erst dann notwendig geworden, als die Hände aufgrund ihrer Beschäftigung mit Arbeit und Werkzeug nicht mehr zur Zeichensprache zur Verfügung standen.15 So wäre die Hand in der Lage gewesen, Sinn auch dort zu stiften, wo sie noch gar nicht dazugekommen war, den Dingen ihren unverwechselbaren Stempel aufzudrücken.

Noch in alltäglichen Ratschlägen, wie ›Nimm dein Leben in die Hand‹ schwingt die Erinnerung an Vorstellungen mit, die die Hand mit künstlerischem Genie und schöpferischer Macht in Verbindung bringen. Das sind Ideen, von denen wir bereits gezeigt haben, dass sie in der Logik der modernen Industriegesellschaften keine Gültigkeit mehr besitzen. Die denkende Hand als Allegorie für die selbstbestimmte Tätigkeit eines handlungsfähigen Subjekts gilt längst als dekonstruiert. Die Kunst aber, die noch immer von tätigen und denkenden Händen hervorgebracht wird, gerät darüber zu einer »Propaganda für die Wirklichkeit«, wie es Oswald Wiener einst formulierte16, und läuft damit stets Gefahr, verboten zu werden.

Anmerkungen

1 Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft. (1781), A 75.
2 Karl Marx: Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie (1858), Berlin: Dietz 1983, Bd. 42, S. 593.
3 Oswald Spengler: Der Mensch und die Technik. München: C.H. Beck 1931, S. 14.
4 Martin Heidegger: Was heißt Denken. Tübingen: Max Niemeyer 1954, S. 51.
5 André Leroi-Gourhan: Hand und Wort. Die Evolution von Sprache, Technik und Kunst. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1984, S. 301.
6 Georg K. Glaser: Jenseits der Grenzen. Betrachtungen eines Querkopfs. Basel: Roter Stern 1989, S. 78. Glasers Versuch, dem die vorliegenden Überlegungen verpflichtet sind, findet sich im gesamten Verlauf seiner biographischen Schriften dokumentiert.
7 Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Dritter Band. Berlin: Dietz 1988, S. 828.
8 Georg K. Glaser: Jenseits der Grenzen. S. 85.
9 Georg K. Glaser: Jenseits der Grenzen. S. 79.
10 Georg K. Glaser: Jenseits der Grenzen. S. 81.
11 Vgl. Maurice Merleau-Ponty: Das Sichtbare und das Unsichtbare. München: Fink 2004.
12 Georg K. Glaser: Jenseits der Grenzen. S. 175.
13 Johannesevangelium, Joh. 1,1.
14 Johann Wolfgang von Goethe: Faust. Eine Tragödie (1808), Stuttgart: Reclam 1971, 6. Kapitel.
15 Vgl. Nikolai Marr: Der Japhetitische Kaukasus. Berlin: Kohlhammer 1923.
16 Oswald Wiener: Die Verbesserung von Mitteleuropa. Hamburg: Rowohlt 1969.

Was bringt Affekt zum Ausdruck?

Etienne: La Conversación, La Habana
„Die Welt existiert nicht jenseits ihres Ausdrucks.“ 
Gilles Deleuze, 
Die Falte


Ausdruck wird in kommunikativer Hinsicht meist mit Inhalt verknüpft und von diesem wird angenommen, er verfüge über eine objektive Existenz jenseits des Ausdrucks. Ausdruck wird damit als die Repräsentation eines Inhalts gedacht, die aus einem subjektiven Abstand erfolgt. Diese Vorstellung von Repräsentation eröffnet ein Feld, das sich von der Darstellung bis zur Vertretung erstreckt. Die Kritik daran verfährt in der Regel so: Wenn Ausdruck einen von ihm verschiedenen Inhalt vertritt, stellt sich die Frage, welche Instanz diese Vertretung legitimiert und die erforderliche Kontiguität garantiert. Wird Inhalt aber von einem Ausdruck dargestellt oder in einen solchen übersetzt, stellt sich die Frage, welche Instanz die dafür erforderliche Kontinuität gewährleistet. Was bleibt vom Ausdruck nach dieser Repräsentationskritik? 
Zum gesamten Beitrag von Tom Waibel in: BILDPUNKT, Zeitschrift der IG Bildende Kunst

Atención 16

Tom Waibel, Hansel Sato (Hg.)Handlungsmacht, Ausdruck, Affekt
Agenciamiento, Expresión, Afecto

Zum Bedeutungswandel affektiver Aussageformen in Lateinamerika
La resignificación de enunciados afectivos en Latinoamérica

Reihe: Atención! Jahrbuch des Österreichischen Lateinamerika-Instituts
Bd. 16, 216 S., 24.90 EUR, br., ISBN 978-3-643-50489-0, ISSN 2221-4186

Das Spannungsverhältnis von Handlungsmacht, Ausdruck und Affekt adressiert die vielfältigen Auseinandersetzungen um soziale Anerkennung und politische Artikulation. Der Kampf um Konsens, Dissens und soziale Rechte entfaltet sich auf der Grundlage von Handlungsbefähigungen und Formen des leidenschaftlichen Ausagierens. Dem entsprechend widmet sich der Band der Frage, wie sich kulturelles, soziales und politisches Begehren sprachlich und gestisch ausdrücken und verkörpern lässt. Fokussiert werden die Transformation, Aneignung und Besetzung von neuen transnationalen Räumen durch lateinamerikanische Akteur_innen und die Konstitution oppositioneller Identitäten.

Tom Waibel ist Doktor der Philosophie und arbeitet in den Bereichen Text, Medien und Kommunikation mit Schwerpunkt auf politische Theorie, postkoloniale Kritik, Migration und Globalisierung.

Hansel Sato ist Bildender Künstler und arbeitet zu den Themen Transkulturalität und Gesellschaft, Postkolonialismus und Konstruktion des post-migrantischen Subjektes in Europa.

Sämtliche Abstracts (deutsch und spanisch)
Sämtliche Kurzbiografien

Eine Indisziplinierung kolonialer Kleidercodes

Evos Pullover 

Boliviens Präsident und der spanische König
Eine Erfindung von Tradition in der Begegnung von Bauer und König. Eine Indisziplinierung kolonialer Kleidercodes, ein fadenscheiniges Dispositiv und kaum ein Ausweg aus Machtverhältnissen, von Tom Waibel

Chompa Evo

Tradition ist eine Erfindung – wer wüsste das besser, als die Archivar_innen dieser Welt? Die Textilie, um die es hier geht, steht für eine Tradition, die im Verlauf eines einzigen Tages erfunden wurde. Aber wie?

Ein ,Allerweltspullover‘ urteilten die Zeitungen verblüfft oder empört. Sein rot, blau, weiß und grau gestreiftes Design wurde als so gemein und durchschnittlich bewertet, dass zumindest die Textur aus edlen Materialien bestehen sollte. Doch die Vermutungen wurden enttäuscht: Keine Vikunja-Wolle, obwohl  eine der seltensten und teuersten der Welt; auch keine reine Alpaka-Wolle, sondern ein Gemisch aus dieser und synthetischen Acrylfasern. Da weder Design noch Textur eine edle Herkunft vorweisen konnten, wurde die Textilie kurzerhand zur ,Tradition‘ erklärt. Aber warum?

Der besagte Pullover sprengte alle bisher bekannten diplomatischen Gepflogenheiten. Evo Morales trug ihn auf seiner ersten Auslandsreise nach dem Amtsantritt als Staatspräsident von Bolivien im Jänner 2006, nachdem er in einer demokratischen Wahl mehr als die Hälfte aller Wähler_innenstimmen auf sich vereinigen konnte. Insbesondere das Zusammentreffen des ehemaligen Koka-Bauern (leger, im bunt gestreiften Pullover ohne Marke und Façon) mit dem spanischen König (formell, als Repräsentant einer Jahrhunderte langen imperialen und kolonialen Herrschaft) war symbolisch derart aufgeladen, dass der Pullover von einem Tag auf den anderen zur Chompa Evo gemacht wurde, einem überaus traditionellen Kleidungsstück aus den bolivianischen Anden.

Offensichtlich geht es hier nicht einfach um eine Disziplinierung von Textilien durch ihre Aufnahme ins Archiv erfundener Tradition, sondern – genauer noch – um eine Indisziplinierung, die von diesen Textilien auch hervorgebracht werden kann. Die nahezu durchgängig kolonialisierten Codes der diplomatischen Repräsentation internationaler Politik produzieren eine Serie von kaum unterscheidbaren Herren in uniformen (grauen) Anzügen. Diese Herren mögen Demokraten, Diktatoren oder Adelige sein, sie mögen durch Wahlen, Plebiszite oder Staatsstreiche an die Macht gekommen sein, in ihren Maßanzügen europäischen Zuschnitts fungieren sie immer auch als der Ausdruck einer globalisierten Identitätspolitik, als Manifestationen einer Politik der Identität im Kontext einer stets erneuerten Kolonialität.

Die Chompa Evo setzt dieser kolonialen Identität allerdings keine autochtone Indigenität gegenüber. Die Textur ihres Textils wird durch eine mehrfache Verschiebung und Neuverkettung zur Chiffre einer postkolonialen Stilkritik: Weder essenziell, noch exklusiv, bestimmt nicht diplomatisch und noch nicht mal traditionell wird sie zum Zeichen von billigem, weil populärem Geschmack und legt damit die kulturellen Festschreibungen hegemonialer Diskurse offen.

Die "Chompa Evo"
Der Allerweltspullover im Chompa Evo Design, der mir vorliegt, trägt ein Etikett, das ein gesticktes Alpaka-Kamel vor stilisierter Berglandschaft samt Sonne mit Strahlenkranz zeigt. Daneben finden sich die Initialen L.A.M. sowie die Hinweise: Made in Bolivia und 100% Alpaca, doch letzteres ist möglicherweise ein Etikettenschwindel. Was motiviert diese Vermutung? Der Pullover ist von Kleidermotten arg zerfressen, aber die zahllosen Löcher konzentrieren sich ausschließlich auf die Streifen in grauer Farbe. Weshalb blieb alles andere vom Mottenfraß verschont? Vielleicht findet sich alle (tierische) Alpakawolle in die grauen Streifen verarbeitet und der ganze Rest bestünde aus (synthetischer) Acrylfaser und wäre damit gänzlich mottenungenießbar.

Was auch immer die Gründe für die erstaunliche Verteilung sein mögen – die delikate Subversion der Kleidermotten hat das Objekt fadenscheinig gemacht, die Konsistenz des Archivs durchlöchert und das hegemoniale Dispositiv von Ordnung und Kontrolle aus den Fugen gebracht. Der Hunger nach Keratin hat vielerlei Fäden gelöst, die sich nicht mehr verknüpfen lassen und ein vergleichbarer Hunger nach Veränderung lässt die postkoloniale Zukunft dieses Symbols für einen Ausweg aus den globalisierten Machtverhältnissen bereits jetzt als alt erscheinen.

Vermischtes

Anton Giulio & Arturo Bragaglia, Typist, (Dattilografa) 1911
Noch mehr Texte

Der Wiener Deewan
Ich freu‘ mich schon seit Tagen auf diese Reportage, denn sie führt mich in ein Lokal, in dem die leckersten Pakistanischen Currys dieser Stadt zubereitet werden, in den Wiener Deewan in der Liechtensteinstraße 10, Buffet, Take-Away und Catering von Montag bis Samstag von 11–23 Uhr. Ich bin mit Natalie Deewan verabredet, die dieses Lokal gemeinsam mit ihrem Mann Afzaal seit 2005 betreibt, der Duft der Currys ist schon von der Straße her zu riechen, alle Diwans im Deewan sind rappelvoll, Lokalkritiker sollte man werden und die Arbeit stets mit Genuss verbinden...
demnächst online...

Die wahrhafte Bibliothek
Gut, dass Sie gekommen sind, Waibel, ich hatte befürchtet, Sie würden gar nicht auftauchen, weil ich Sie so kurzfristig hergebeten habe, das mögen die wenigsten, wenn sie überraschend wohin bestellt werden, die meisten ertragen das nicht, wenn sie unvorhergesehen wo auftauchen sollen, es gibt kaum welche, die schnell irgendwohin kommen, wenn man sie aus heiterem Himmel darum bittet, drum hatte ich befürchtet, Sie würden nicht kommen, Waibel, da ich doch so kurzfristig danach gefragt habe, sagte Müller...
weiterlesen...


365/11: Machtstrukturen und die Kunst der Erinnerung
Erinnerung als Kunst zu postulieren und sie, wie es im Titel dieses Texts geschieht, mit Machtstrukturen in Bezug zu setzen, heißt auch, eine bestimmte Genealogie der Macht zu hinterfragen. Warum? Die herrschaftliche Familiengeschichte des europäischen Denkens nennt die Erinnerung Mnemosyne, sie ist als Titanide keine geringere als die Tochter von Himmel und Erde und damit eine Enkelin des Chaos. Mnemosyne ist die Mutter aller Kunst, sie gebärt dem ersten olympischen Verführer die neun Musen, deren Kult noch heute die Museen belebt...
demnächst online...
 

365/10: Geliebte Kunst
Um die Mitte der 1960er Jahre versuchte eine namhafte Anzahl von SoziologInnen und StatistikerInnen unter der Leitung von Pierre Bourdieu und Alain Darbel die Liebe zur Kunst messbar zu machen. Dazu wurden am Eingang von 123 ausgewählten französischen Kunstmuseen tausende von Fragebogen ausgefüllt, Interviews geführt und deren Ergebnisse mittels Vergleichsuntersuchungen in den Niederlanden, Polen und Griechenland überprüft...
weiterlesen...

365/09: Reiche Eltern für Alle!
„Reiche Eltern für Alle!“, diese grotesk anmutende Forderung beanspruchte während der ersten Tage im besetzten Audi-Max der Uni Wien einen prominenten Platz links neben der Bühne. Unweit entfernt davon ein Plakat in Form eines Farbtabletts und inmitten bunter Farbklekse die bedeutend nüchternere Botschaft der Studierenden der kunstschule.at: „Die kunstschule.at ist solidarisch“. Solidarisch womit? Mit der Forderung nach reichen Eltern für alle? Welchen Sinn hat dieser erstaunliche Slogan in der aktuellen Auseindersetzung um Bildung als einem wesentlichen Ort des Konflikts um den Besitz von Wissen, die Reproduktion der Arbeitskraft und die Herstellung sozialer und kultureller Stratifizierung?
weiterlesen...

366/08: Kunst kommt nicht von Können!
Die Etymologie, d.h. die Erforschung der Herkunft der Wörter, ist im Angesicht der Kunst erstaunlich selbstsicher: Der seit dem 9. Jahrhundert nachweisbare, im Mittelhochdeutschen wie im Althochdeutschen gleich lautende Begriff ‚kunst’ wird hier als Abstraktum mit Übergangslaut dem ‚können’ zugeordnet. Eine Einengung vom Verständnis der Kunst als künstlerische Betätigung im Gegensatz zum natürlich Vorhandenen wäre demnach erst im 18. Jahrhundert eingetreten und ließe die Bedeutung von Kunst als dem ‚Gekonnten’ im Unterschied etwa zum ‚Gefundenen’ durchaus bestehen. Dummerweise endet die Erforschung der Herkunft der Wörter damit auch schon und schert sich nicht mehr länger darum, welche Bedeutungsveränderung der Begriff im 19. und 20. Jahrhundert durchlaufen hat...
weiterlesen...

Freibeuter im Zeichenmeer
Im Zeitalter von Biotechnologie und Molekulargenetik sind Semiologie und Biopolitik in ein enges Verhältnis zueinander getreten. Die sich am Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelnde Linguistik hat in hohem Maß das Verständnis und Selbstverständnis der (okzidentalen) Wissenschaften zu revolutionieren vermocht und eine Flut von Verschiebungen in Fragestellung und Methode ausgelöst, nicht nur in den Gesellschaftswissenschaften, für die in der Philosophie der Begriff des linguistic turn geprägt wurde, sondern auch in Bereichen, die den Problemen von Sprache und Übersetzung scheinbar so fern liegen wie Biologie, Chemie, Biochemie und Biotechnologie...
weiterlesen...

Ursachenmetaphysik
Subalterne können nicht sprechen und Wilde haben keine Kultur. Worin gleichen sich diese Behauptungen, die doch aus scheinbar so unterschiedlichen diskursiven Kontexten gerissen sind? Während die letztere eine imperiale Geste kolonialer Selbstherrlichkeit in Begriffe zwängt, bringt die erstere eine postkoloniale Kritik am hegemonialen Selbst(miss)verständnis auf eine – vielfach unverstandene – Formel. Dennoch funktionieren beide wie zwei Seiten derselben Münze, desselben Tauschgelds, das die Maschinerie der globalisierten Unrechtsverhältnisse schmiert...
weiterlesen... 

Who is really free? Antonio Negri and the Prison
After more than fourteen years of exile in France, Negri decided to return from his “exodus in time” where he maintained captured in a strained relation between the necessity of reterritorialization ­– the reencounter with persons and places ­– and the demand to restitute personal and political history. “I saw myself getting old with no possibility of opening this golden cage in which I was trapped. This made me panic…  In fact it is important to be part of an environment in which you can act!” For him winning back the potency of political action signified a paradox detour of years in jail: “I knew I had to pay this price in order to obtain my freedom again, in order to get a passport.”
read more... 

Die gute Regierung der Zapatistas 
Transkription eines Videos von Oliver Ressler & Tom Waibel, aufgenommen in Chiapas, Mexiko, 31 Min., 2006. Comandanta Esther: Wir als indigene Frauen kämpfen wegen dieser Situation, dass wir die dreifache Ausbeutung erleiden: als Frauen, als Indigene und als Arme. Als Frauen werden wir nicht beachtet, wir werden erniedrigt und gering geschätzt. Als Indigene werden wir aufgrund unserer Kleidung, Farbe, Sprache und Kultur diskriminiert. Als Arme haben wir kein Recht auf Gesundheit und Erziehung und man hat uns vergessen...
weiterlesen... 

Zur audiovisuellen Selbstbestimmung
Die einzige Form, in der sich kulturelles Gedächtnis schaffen lässt, ist, sich in den Träumen der anderen erinnert zu machen. Das ist keine Metapher: so viele Völker, die einem Krieg widerstehen, der kulturell, medial und ökono­misch gegen sie geführt wird und der sie aus dem Gedächtnis der Menschheit zu löschen droht, finden ihre einzige und fragile Ruhe, indem sie sich in den Träumen der anderen erinnert wissen...
weiterlesen...

Jede/r ist eine Minderheit
Zehn Jahre nach den größten Protestaktionen in der zweiten Republik gegen eine schwarzblaue Regierung stehen jetzt Wahlen in Wien bevor. Was einst vehement als rassistischer Ausnahmezustand angeprangert wurde, droht zusehens zur alpenrepublikanischen Normalität zu werden. Vor diesem ernüchternden Hintergrund versuchen wir, das befreiende Potential filmischer Arbeit jenseits von nationalen Grenzen und provinziell-reaktionärer Kulturpolitik wieder zu finden...
weiterlesen...

Mediale Urbanität
Mediale Städte lesen zu wollen wie einen Text, der sich vor uns ausbreitet, entspringt dem Überschwang eines skopischen Begehrens, durch das sich die panoptische Fiktion des Wissens Ausdruck verschafft. Die folgenden Ansichten versuchen daher keineswegs die Verwandlung der urbanen Medialität durch die Schaffung einer theoretischen Distanz einzulösen, die letztlich nur DatenvoyeurInnen des öffentlichen Raums hervorbringt; sie mäandern vielmehr in Art der FlaneurInnen durch eine mediale Urbanität, die aus den Versatzstücken mehrerer Städte (Wien, Berlin, Rotterdam, New York, Sao Paolo und Bandung) während unterschiedlicher Momente am Beginn des 21. Jahrhunderts montiert ist...
weiterlesen...

Für eine neue Linke als abstrakte Gesellschaftsmaschine
[Eine Selbstanrufung] In einigen Sprachen gibt es eine grammatikalische Form, die den Imperativ als Konjunktiv setzt: Der Hortativ ist der Modus der konjunktivischen Aufforderung und zugleich die Instituierung eines noch ungenauen, eines werdenden Wirs. Im „Lasst uns …!“, „Wir wollen …!“ steckt ein Konjunktiv, der eine Vielheit der ersten Person einfordert, deren Umrisse im Werden begriffen sind. Form und Inhalt des vorliegenden Textes sind diesem Modus, der sich zwischen Ermöglichung und Selbstanrufung bewegt, sehr ähnlich. Lassen „wir“ uns also auf eine ungewohnte hortative Übung ein, auf die Debatte über die Notwendigkeit eines neuen linken Bündnisses!
weiterlesen...

Die folgenden Überlegungen sind von einem Essay inspiriert, der – mehr als 20 Jahre nach seiner Präsentation als Vortrag mit dem Titel Macht, Begehren, Interesse - nun erstmals vollständig übersetzt vorliegt: Gayatri Chakravorty Spivak, Can the Subaltern Speak? Postkolonialität und subalterne Artikulation, übersetzt von Alexander Joskowicz und Stefan Nowotny, mit einer Einleitung von Hito Steyerl, Wien: Turia u. Kant 2008...
weiterlesen...  

Von Omaru bis Omofuma
Zur Kritik rassistischer Gewalt filmischer Repräsentation.
[Konstruktion von Weißsein] Vida Bakondy und Renée Winter haben mit ihrer Studie „Nicht alle Weißen schießen.“ Afrika-Repräsentationen im Österreich der 1950er Jahre im Kontext von (Post)Kolonialismus und (Post-)Nationalsozialismus eine dichte und vielschichtige Untersuchung zu Produktion, Rezeption und Kontinuität rassistisch motivierter Gewalt vorgelegt. Am Beispiel des Films Omaru – eine afrikanische Liebesgeschichte erarbeiten sie eine präzise Analyse von Produktion/sbedingungen, Bedeutungsproduktion und Rezeption/sbedingungen der für das Selbstverständnis im Österreich der Nachkriegszeit konstitutiven rassistisch/sexistischen Diskurse...
weiterlesen... 

WunschmaschinistInnen aller Territorien verkoppelt euch!
Bei Turia + Kant ist der siebte Band der schillernden Reihe Es kommt darauf an, Texte zur Theorie der politischen Praxis erschienen. Diesmal kommt es auf nicht weniger als „Tausend Maschinen“ an, die über Wunschmaschinen, Kriegs- und Theatermaschinen bis zu Mayday-Maschinen durch Abstrakte Maschinen mäandern...
weiterlesen...

Mehrfachbelichtungen. Dziga Vertov und der Versuch eines revolutionären Kinos
Erste Sequenz: Gekippte Aufnahmen eines kinoki-Aktivisten mit Kamera wechseln in rascher Folge mit dem Zwischentitel: „Wir blenden die Sterne mit unseren Projektoren!“ Als wir in der ersten Hälfte der 90er Jahre eine Filmgruppe mit Homebase im Wiener Ernst-Kirchweger-Haus nach Vertovs Begriff für Film-AktivistInnen kinoki benannten, hatten wir lediglich den „Mann mit der Kamera“ gesehen...
weiterlesen...